Die vermeintliche Anonymität im Web 2.0 auf die Probe gestelltvon 1brecher
Wie viel kann man über eine wildfremde Person
im Internet herausfinden?
Dieser Versuch beginnt damit, einem beliebigen Benutzer
bei Lokalisten die Freundschaft anzubieten (mit einem
Fake-Profil, versteht sich). Als Freund bestätigt, können
wir jetzt ihren Vor- und Nachnamen einsehen.
Schnell bei telefonbuch.de nachgeschaut, erhalten wir
den Namen ihres Vaters, ihre Telefonnummer, die vollständige
Adresse sowie die Handynummer des Vaters.
Der Vollständigkeit halber suchen wir noch ein Satelitenbild
von ihrem Haus (und der Umgebung) bei Google Maps heraus.
In ihrem Profil gibt sie weiter an, Single zu sein
und die eine Realschule (Klasse und Ort der Schule auch angegeben)
zu besuchen.
Mit ihrem Alter gestaltet sich das Ganze schwieriger.
Sie gibt zwar an, 14 Jahre alt zu sein
(am **.**.1993 geboren). Sucht man bei Google nach
ihrem Lokalisten-Nickname, stößt man auf eine
Profil-Seite einer weiteren Online-Community,
die ihr zweifellos zuzuordnen ist (deckungsleiche Profilangaben).
Um den Inhalt der Seite einsehen zu können, melden wir schnell
ein neues Fake-Profil an.
Dort ist sie allerdings erst 13 - weil man bei der Anmeldung
bei Lokalisten mindestens 14 Jahre alt sein muss,
hat sie wohl einfach ein falsches Geburtstdatum angegeben.
Bei Google findet man unter ihrem vollen Namen keine
passenden Einträge, also suchen wir dort nach ihrem Vater -
und finden eine Mini-Homepage, die sie offensichtlich selbst erstellt
hat.
Im "Impressum" ist sie dort mit kompletter Anschrift (!)
als Verantwortliche eingetragen, als Kontakt-Emailadresse
ist die ihres Vaters angegeben. (Somit erfahren wir auch
bei welcher Firma ihr Vater arbeitet.)
Unter den Suchergebnissen ist auch eine ICQ-Profilseite,
bei der wir zu guter Letzt noch ihre ICQ-Nummer erfahren.
Das sollte erst eimal genügen.
Die Fülle an Informationen, die wir über sie herausfinden,
ohne wirklich mit ihr in Konktakt getreten zu sein, ist
beängstigend.
(Bei Lokalisten könnte man nun noch Weiteres durch das akribische
Durcharbeiten ihrer Profilangaben, ihrer Gätebucheinträge usw., oder
der Profile ihrer "besten Freunde" herausfinden.)
Ein paar Tipps, eure eigene Anonymität wenigstens halbwegs
zu bewahren:
- bei Lokalisten und anderen Communities wenn überhaupt
den richtigen Vornamen angeben. Eure Freunde kennen euch
sowieso und alle anderen hat euer Nachname nicht zu
interessieren.
- Bei Lokalisten auf gar keinen Fall die eigene Adresse in
die Karte eintragen!
- Stellt unter "Privatsphäre" bei Lokalisten ein, dass keine eurer
Aktivitäten für andere sichtbar sind.
- Profile bei anderen Communities wenn möglich nur für Freunde
sichtbar machen.
- Überprüft selber mit Google und Personensuchemaschinen wie
Yasni (www.yasni.de) oder 123People (123people.de), was man über euch im
Internet herausfinden kann (welche Spuren ihr im Lauf der Zeit hinterlassen habt).
- ... [weitere Folgen]
Worauf noch gar nicht eingegangen wurde:
Bei immer mehr Betrieben (Arbeitgebern) wird es zur
Selbstverständlichkeit, vor der Anstellung eines neuen
Mitarbeiters erst einmal das Internet nach ihm zu durchforsten.
Dafär eignen sich z.B. Facebook, Myspace und Lokalisten,
aber eben auch Personensuchmaschinen wie yasni.de oder 123people.de
Fatal wird es hier v.a. wenn man vergessen hat, das ein oder andere Profil mit
den ein oder anderen pikanten Inhalten (Fotos, etc.) zu löschen, nachdem man aufgehört hat es zu benutzen ;).
Außerdem werden z.B. die Mitgliedsdaten bei großen Communities wie Myspace
(im Besitz von Medienmogul Rupert Murdoch) zur Marktforschungszwecken
für beträchtliche Summen weiterverkauft.